Dramaturgie göttlich – Das weltberühmte Monodrama
Dramaturgie göttlich – Das weltberühmte Monodrama

Das berühmteste Stück von Peter Hacks ist zugleich sein in jeder Hinsicht bemerkenswertestes. Es ist ein Gespräch und doch ein Monodrama, es trägt einen langen, nicht leicht einprägsamen Titel, es spielt in den Fernen der deutschen Literaturgeschichte, es ist ein Lesestück und doch auch ein Kassenfüller auf jeder Bühne mit einer großartigen Starrolle, und es ist eins der amüsantesten, tiefsinnigsten und meistgespielten Stücke der Deutschen überhaupt.

In der Reihe der Kommentierten Werke in Einzelausgaben legt Ralf Klausnitzer nun eine gesicherte und gut kommentierte Edition vor, die er nicht nur mit einem ausführlichen Nachwort, sondern auch mit dem noch von Hacks zusammengestellten Anhang zur Aufführungs- und Wirkungsgeschichte und zum historischen Hintergrund versehen hat. Diese Einzelausgabe ist besonders geeignet für alle professionell mit Theater und literaturwissenschaftlichen Fragen befassten Leser, für Schüler, Studenten, Dramaturgen, Germanisten.

 
 
PLAGEJAHRE
PLAGEJAHRE

Lenins brausender Oktober
Half der Menschheit auf den Sprung,
Freilich wieder nur in grober
Paradieses Näherung.
Plagejahre, Übergang –
Manches dauert gar zu lang.

Roboter mit sanftem Nicken
Machen alle Handarbeit.
Pille lehrt die Frauen ficken.
Wo nur bleibt die goldne Zeit?
Plagejahre, Übergang –
Manches dauert gar zu lang.

Dämel druckt, ich bin verboten.
Was zum Kuckuck zügelt ihr,
Kampfgenossen, meinen Roten,
Pegasus, mein Flügeltier?
Einem Menschen mit Humor
Kommt das Leben komisch vor.

Eine Sonne ohne Farben
Schleppt sich hinter Wolken hin.
Du auch, Liebste, läßt mich darben,
Bist woanders, als ich bin.
Plagejahre, Übergang –
Manches dauert gar zu lang.

 

(Peter Hacks)